Deutschland kauft auf Pump: Warum nur hier die Niedrigzinsen Wirkung zeigen - BICE

Deutschland kauft auf Pump: Warum nur hier die Niedrigzinsen Wirkung zeigen

Frau kauft mit Kreditkarte einDie Leitzinsen der Europäischen Zentralbank bewegen sich seit Jahren auf niedrigem Niveau und haben zwischenzeitlich mehrfach historische Tiefststände erreicht. Festverzinsliche Anlageformen lohnen sich derzeit insofern kaum. Entsprechend gut ist umgekehrt die Kauflaune. Denn wenn das Sparen ohnehin nicht lohnt, macht das Ausgeben umso mehr Spaß.

Es darf ein wenig mehr sein

Der Mentalitätswandel, welcher Deutschland in Sachen Konsumverhalten erfasst hat, ist ganz im Sinne des Präsidenten der Europäischen Zentralbank Mario Draghi. Denn den Währungshütern in Frankfurt am Main geht es bei ihrer Zinspolitik vornehmlich darum, die Konjunktur zu beleben. Dies funktioniert nur durch mehr Konsum – und konsumiert wird in Deutschland derzeit reichlich. Dank der niedrigen Zinsen fallen die Anschaffungen oftmals größer aus. Denn die Händler können derzeit auch langfristig laufende Null-Prozent-Finanzierungen anbieten. Dies fördert den Warenabsatz im Einzelhandel. Doch auch auf dem Immobilienmarkt hat sich im Zuge des Dauerzinstiefs die Nachfrage verstärkt, da die eigenen vier Wände die lohnendere Investition gegenüber Tagesgeldkonten sind.

Die Reserven werden aufgebraucht

Auch wenn die konjunkturelle Belebung in Europa selbstverständlich von allen begrüßt wird, gibt es doch warnende Stimmen hinsichtlich des derzeit stattfindenden Kaufrauschs. Denn durch das Aufzehren von Reserven und das Eingehen von langfristigen Verbindlichkeiten werden Schulden angehäuft, die sich im Falle einer Krise als problematisch erweisen könnten. Ein Anstieg bei den in Deutschland abgeschlossenen Privatkrediten um 2,7 Prozent innerhalb der letzten zwei Jahre macht deutlich, wie sehr sich die Prioritäten im Rahmen der privaten Haushalte verschoben haben. Schulden zu haben ist auch für Privatleute kein Problem mehr, wenn für die neue Küche eine Null-Prozent-Finanzierung angeboten wird. Kann ein Kredit aber aufgrund von Arbeitslosigkeit nicht mehr bedient werden, schnappt gleichwohl die Schuldenfalle schnell zu und eine Privatinsolvenz droht.

Der Überschuldung entgehen

Selbstverständlich sind niedrige Zinsen dazu geeignet, ohnehin anstehende Anschaffungen vorzuziehen und diese über Kredite günstig zu finanzieren. Gleichwohl zeigt einen Anstieg im Bereich der Ratenkredite von 28 Prozent innerhalb von drei Jahren, das der Bogen von den Konsumenten vielfach überspannt wird. In jedem Fall sollte vor der Eingehung von langfristigen Verbindlichkeiten von Verbrauchern genau geprüft werden, ob diese auch im Falle von Arbeitslosigkeit und anderen möglichen Krisen nicht zum Problem werden. Und sollte es dennoch zum Äußersten kommen und die Privatperson kann den Kredit nicht mehr tilgen, sollte diese eine Schuldnerberatung aufsuchen – Informationen hierzu unter www.schuldendirekthilfe.de.

Bildquelle: thinkstock, iStock, dolgachov

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