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Keine leichte Beziehung – Moldawiens Verhältnis zu Russland

Die Republik Moldau oder auch Moldawien genannt ist ein recht junges Land. Erst 1991 erlangte es die Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Das Land ist sehr flach und mit lediglich 33.700 Quadratkilometern auch recht klein. Es grenzt im Norden, Osten und Süden an die Ukraine und im Westen an Rumänien und hat trotz seiner Nähe zum schwarzen Meer keine Hafenstädte. Die Hauptstadt heißt Chisinau und hat eine Dreiviertelmillion Einwohner.

Russisch als Handelssprache

Moldawien ist kein Industriestaat, er lebt in erster Linie von der Landwirtschaft, vom Obst- und Weinanbau, aber auch Textilerzeugnisse oder kleinere Elektroartikel werden in Moldawien gefertigt. Obwohl ein Großteil der Einwohner zur ethnischen Gruppe der rumänischen Moldauer gehört und nur 13 Prozent Russen sind, so kommt der russischen Sprache dennoch eine besondere Bedeutung zu. Denn diese ist Handelssprache und dient darüber hinaus auch der interethnischen Kommunikation, obwohl die offizielle Amtssprache Moldauisch ist und eher rumänisch geprägt. Doch zu Sowjetzeiten wurde die Bevölkerung dazu genötigt, Russisch zu lernen, die Amtssprache der Sowjetunion. Neben Rumänen und Russen leben noch Ukrainer, Gagausen, Bulgaren und Juden in Moldawien.

Bewegte Geschichte des kleinen Landes

Moldawiens Verhältnis zu Russland ist von einer recht bewegten Geschichte geprägt. Im Jahre 1812 wurde das damalige rumänische Fürstentum Bessarabien, das im heutigen Moldawien liegt, von Russland annektiert. Rund einhundert Jahre später vereinigte sich Bessarabien wieder mit Rumänien und erlangte die Unabhängigkeit von Russland. Wenig später wurde im Gebiet zwischen der ukrainisch-rumänischen Grenze die Moldauische Autonome Sowjetrepublik gegründet, ein Teil der Ukrainischen Unionsrepublik.
1940 wurden schließlich Bessarabien und Transnistrien zur Moldauischen Sowjetrepublik. Nach einem kurzen Zwischenspiel, währenddessen Moldawien wieder zu Rumänien gehörte, wurde es 1944 durch die Rote Armee wiedererobert. Nachdem 1990 bei den Parlamentswahlen eine nichtkommunistische Mehrheit siegte, erklärte sich Moldawien kurzerhand zu einem souveränen Staat innerhalb der UdSSR und erlangte ein Jahr später endlich die Unabhängigkeit. Obwohl Moldawien bis zur Unabhängigkeit zu den wohlhabendsten Sowjetrepubliken zählte, hat sich nicht zuletzt wegen des Transnistrien-Konflikts, die wirtschaftliche Lage deutlich verschlechtert und inzwischen ist Moldawien einer der ärmsten Staaten Europas.

Der starke Nachbar – Russland

Auch nach der Unabhängigkeit bleiben die Beziehungen des kleinen Binnenlandes zur großen Russischen Föderation sehr wichtig. Das liegt unter anderem daran, dass die Republik Moldau abhängig von russischen Gaslieferungen ist. Zudem werden sehr viele moldauische Produkte und Waren nach Russland exportiert. Von daher ist Moldawiens Verhältnis zu Russland sehr sensibel und die Republik hat ein Interesse daran, eine strategische Partnerschaft mit Russland zu pflegen. Aus diesem Grund hat die Regierung ein Programm erarbeitet, nach welchem bei der Außenpolitik großer Wert auf Ausgewogenheit gelegt wird. Dennoch ist Moldawiens Verhältnis zu Russland nicht problemfrei. Denn die Beziehung wird noch immer durch den großen politischen Einfluss der Russischen Föderation belastet . Auch gibt es Differenzen im Transnistrien-Konflikt. Durch diverse bilaterale Handelsprobleme, die sich besonders auf moldauischen Wein bezogen, der von Russland mit einem Importverbot belegt wurde, verschärfte sich die Situation im Jahre 2006. Dabei stellt Wein einen der Hauptexportartikel dar. Zwar wurde das Importverbot zumindest teilweise wieder aufgehoben, doch noch immer ist Moldawiens Verhältnis zu Russland auch von der einflussreichen russischen Minderheit und dem kulturellen Einfluss Russlands geprägt.

Foto: Posztós János – FotoliaSimilar Posts: